Die 5. EduMedia Konferenz 2009 vom 04.-05. Mai 2009 ist gestern erfolgreich zu Ende gegangen. Über 170 (inter)nationale TeilnehmerInnen und ReferentInnen trugen zu dem Erfolg der diesjährigen Tagung mit dem Titel “Kreativität und Innovationskompetenz im digitalen Netz” bei. Wie kommt das Neue mit Hilfe digitaler Technologien in die Welt?.
Einführung - Grundlagen zu Kreativität, Innovation und Schwarmkreativität
Mittelpunkt der Tagung war die bisher weitgehend unerforschte Frage, wie wir in unserer digitalen Welt mit der Fülle an webbasierten Bildungstechnologien Kreativität und kreatives Lernen forcieren können. Es herrschte Einigkeit, dass es neben der Kreativität genialer Talente, auch so etwas wie “Alltagskreativität” gibt, die auf die kreative Person, den kreativen Prozess, das kreative/innovative Produkt und das notwendige kreativitätsfördernde Umfeld einwirkt (Mel Rhodes, 1961 die 4 Ps der Kreativität zit. in Online Lexikon Wikipedia.). Zu einem gelungenen und interessanten Auftakt der Tagung im Konferenzzentrum St. Virgil Salzburg trugen folgende InputgeberInnen mit Vortrag und Teilnahme an Publikumsdiskussion bei:
Von li nach re: Peter Gloor, MIT Center for Creative Intelligence, Blog on SwarmCreativity; Peter Sloep (Open University Netherlands - CELSTEC) Markus Peschl (Universität Wien), Michael M. Luther, Ideenaktivist für das EU-Jahr der Kreativität und Innovation; Moderation der Podiumsdiskussion: Veronika Hornung-Prähauser, Salzburg Research, Bildung und Medien (Mitte).
Kreativität ist…..? Michael Luther führte in das Thema “Kreativität” ein und argumentierte, dass es in der relativ kurzen Zeit der Kreativitätsforschung (ca. seit Mitte des letzten Jahrhunderts; in USA eine Auswirkung des “Sputnik-Schocks”) noch zu keiner einheitlichen Definition gekommen ist. Eine umfangreiche Sammlung davon findet sich auf dem Portal www.creajour.de Er verwies weiters auf das Konzept der P-(psychological/personal)-Creativity und H-(historical)-Creativity der leider krankheitshalber verhinderten renommierten Kreativitätsforscherin Margarete Boden und auf ihre dazu relevanten Bücher “Mind As Machine” (2006) und “The Creative Mind” (2004). Luther kritisierte die einseitige Haltung der Neurobiologie, Kreativität nur auf eine Gehirnhälfte zu reduzieren und plädiert für einen systemischen Ansatz. Markus Peschl zeigte die soziale Dimension von Innovation auf und erläuterte das Konzept der “Innovation als Socio-Epistemological Technology”. Peter Sloep führte in den Gedanken, dass offene, kollaborative Systeme und Netzwerke” sehr innovationsfördernd seien, ein.
Besonders begeisterten die Forschungsergebnisse und Beispiele von Peter Gloor zum Mehrwert von großen Gruppen zur Hervorbringung von kreativen Ideen (auch “Wisdom of the Crowds” genannt), meßbar gemacht durch das Software-Tool CONDOR, welches die statistische Auswertung/Visualisierung von Webkontakten mittels der Sozialen Netzwerk Methode erlaubt. Entsprechen die Beziehungen, die wir als Person zu anderen Personen in einem Netzwerk unterhalten eher dem Muster eines “Stars” oder einer “Galaxie” (see: Galaxyadviser)? Das diese Methode auch für den Bildungsbereich hervorragend brauchbar ist, zeigte Gloor an einem Beispiel, welches die Veränderung der Beziehung zwischen Lehrenden und Lerngruppe in der studentischen Online-Seminar-Betreuung vor und nach einer Intervention zeigte. Wie kreativ der “Schwarm” der KonferenzteilnehmerInnen ist, ist mit der gemeinsam erstellten Schrift sichtbar! Der EduMedia Creativ Font ist hier downloadbar: Schriftart
E-Kreativität und E-Innovationsforum
13 Praxis- und Forschungsprojekte präsentierten sich im interaktiven E-Kreativitäts- und E-Innovationsforum. Dort konnten neue Innovationstools sofort ausprobiert werden und Kontakte untereinander geknüpft werden:
CONDOR - Webtool zur Identifikation neuer Trends, NEUROVATION - Die offene Ideenplattform, Willenstest online und QUOD.X®: Innovationsprozesse lösungsorientiert steuern, EU Projekt ID-Space: Tools für verteilte, gemeinschaftliche Produktinnovationen, Mit webbasierten Veranstaltungsformaten zu neuen Ideen - BarCamp und Webmontag, Werkzeug WebTourCreator für “Student generated E-Learning”, Semantische Netzwerke als zielorientierte Feedbackmethode zur Unterstützung von Kompetenzentwicklung, WIImote Tisch, Activboard, Anyma, Kreative Ideenfindung mit der Digitalen Moderation, Concept Maps mit Table Top; Projekt Roboter bauen, Programmieren für Kinder und Jugendliche und das IClass - Intelligent Distributed Cognitive-based Open Learning System for Schools Links und Kurzpräsentationen gibts hier:
2. Konferenztag - Intensive Sessions
Dieser zweite Tagungstag war geprägt von vielen Projektpräsenationen, unter anderem zum Thema Open Innovation:
Mark Markus, Salzburg Research, führte mit einem kritischen Blick auf das Prinzip der Open Innovation („Ein kritischer Blick auf Open Innovation“) ein. Weiters wurden aktuelle Forschungsergebnisse zu fördernden oder hindernden Faktoren zum Funktionieren von webbasierten Gemeinschaften in den Beiträgen von Andrea Back, Universität St. Gallen (”Web-based Open Innovation – Wie Online-Gemeinschaften Dienstleistungen, Produkte und Wissen mitgestalten”) und Sandra Schaffert und Diana Wieden-Bischof, Salzburg Research (Neue Studie: Erfolgreicher Aufbau von Online-Communitys) dargestellt. Anna Maria Köck, Universität Graz, präsentierte die offene Ideenplattform “Neurovation”. Die Präsentationen aller Vorträge und teilweise vorhandenen Audioaufnahmen werden in Kürze auf der Konferenzhomepage unter dem Menüpunkt Programmnachlese verfügbar sein.
Aktiv kreativ sein - Abendveranstaltung

Heuer wurde abends nicht nurhochgeistig diskutiert, sondern in einem humorvollen, musikalischen (”Mit Trommeln in den Flow kommen”) und spaßigem Rahmen wurden gemeinsam Gedanken, Erfahrungen und Tipps zur Kreativität und Innovation ausgetauscht (”Open Mind Talksalon). Besonders unterhaltend erzählte dabei Oliver Bendel aus seinem “Doppelleben”, einmal als Handyroman-Autor und als Wirtschaftsinformatiker. Er schreibt Gedichte, verschlüsselt sie (zum Gag mit QR-Codes, den genauen Sinn dazu will er sich noch überlegen) und schreibt erfolgreich Romane für Jugendliche, die diese auf dem Handy-Display lesen. In Japan ist das bereits ein großer Trend und wir sind gespannt, wie sich die Situation hier entwickelt. Kaum enden wollend war die Begeisterung für das “Slide-Share-Karaoke”, in dem TeilnehmerInnen ihnen völlig unbekannte, zufällig ausgewählte Präsentationen der Plattform SlideShare stehgreifartig präsentieren durften. Gemeinschaftlich wurde der Gewinner Johannes Metscher, Universität Augsburg, zum Sieger gekürt.
Zum Nachlesen
Der Tagungsband ist erhältlich im Online-Buchhandel. Weitere Informationen erhältlich bei: veronika.hornung@salzburgresarch.at
Zum Nachhören
Im Ö1: Ideenmotor “Schwarm-Kreativität” Serie “Digital.Leben” über das Netz als Arbeitsbasis; als Podcast erhältlich
Tipp auf FUTURE ZONE ORF:
Im Ö1: Handyromane
Zum Nachsehen
Bilder, Präsentationsunterlagen und Fotos in Kürze auf der Konferenzhomepage.
Einsatz von Social Software auf der Tagung
Bei Interesse fürs “Gezwitscher” (alias “twittering”) zwischen der Tagung:
Twitteraggregation oder Mark Kramers Smart Live Blog
Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer für ihren Enthusiasmus und auch bei unseren Kooperationspartnern und Sponsoren!
Alle Fotos: Copyright by J.Berkhout, NL